documenta 14 – Lernen aus Athen?

Eine Reise zur documenta ist eine Pilgerreise, eine Huldigung an die Kunst. Und zwar ist es egal, ob die präsentierte Kunst gute Kunst, politische Kunst oder überhaupt Kunst ist. Was zählt ist, dass sich alle fünf Jahre solche Menschenmassen aufmachen in eine sonst eher unscheinbare, vom Stadtbild her noch tief in den 50er Jahren verhafteten Stadt in der Mitte Deutschlands. Die Menschen kommen aus aller Welt, automatisch ist die Sprache englisch. Es kommen alte Menschen, die mit dem Geist der documenta aufgewachsen sind, Menschen meines Alters, also ungefähr so alt wie die documenta als Institution selbst, Familien mit Kindern, und auch ganz junge Leute, viele Studenten. Bunt und extravagant gekleidete, auffällige Personen, die üblichen komplett schwarz gekleideten Kunstkenner, die dozierenden Lehrer und genauso die Oma von nebenan. Alle gehen völlig selbstverständlich miteinander um. Es ist ein buntes Miteinander. Niemand meckert, weil die Kunst angeblich schlecht oder bedeutungslos ist oder weil der Kunstparcour extrem anstrengend ist oder es in Strömen regnet. Alles ist gut, wir sind hier, wir sind dabei, Teil des Kunstwerkes documenta – alle fünf Jahre wieder.

Der Parthenon der verbotenen Bücher ist inzwischen schon zu einem guten Teil abgebaut, ein Gefühl wie auf der Kirmes am letzten Nachmittag, wenn auf der Raupe die Abdeckung der Wagons nicht mehr vorhanden ist. Die Bücher werden an die Besucher verschenkt. Dabei variiert im Laufe des Tages, wieviele Bücher pro Person mitgenommen werden können von fünf bis nur eines. Die Zahl der Besucher, die gleichzeitig den Parthenon betreten dürfen wird mal auf 50, mal auf 100 gesetzt. Willkürlich. Ich habe das Buch ‚The Kite Runner‘ von Khaled Hosseini mitgenommen. 

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